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Von Elisabeth Meyer
Bokholt-Hanredder. Nach elf Jahren im Polizeidienst hatte Walter Rathmann die Nase voll. "'Mach' mal was Sinnvolles, werd' Lehrer', habe ich gedacht." Das war 1972, Rathmann hatte gerade an der Abendschule sein Abitur nachgeholt. Übergangslos nahm er das Lehramtsstudium - Schwerpunkt Geschichte - in Angriff und unterrichtete anschließend zunächst an Schulen in Hamburg-Altona und Niendorf. "Ich habe mich quasi immer weiter zum Umland vorgetastet", erzählt der 63-Jährige. Schließlich kam er dort an, wo er jetzt seit 30 Jahren arbeitet: in der Grundschule Bokholt-Hanredder.

Technik-Freak: Rektor Walter Rathmann führte an der Grundschule Bokholt-Hanredder die Computer ein. Foto: Meyer
Auf der Nordseeinsel Föhr geboren, habe er sich auch vorstellen können, Lehrer auf Hallig Hooge zu werden, sagt Rathmann. "So eine Art Pendant zum Dorfsheriff." Aber auch "seine" Schule hatte es ihm auf Anhieb angetan. "Hier hat es mir so gut gefallen, ich wollte sofort bleiben", erinnert sich der Rektor. 1980 zog er von Norderstedt nach Bokholt, wo er mit seiner Ehefrau noch heute wohnt.
Wenn Rathmann von seiner Schule spricht, gerät er ins Schwärmen: "Es ist langsam und stetig bergauf gegangen. Heute gehören wir, was die Personal- und die technische Ausstattung anbelangt, zu den modernsten Schulen im Land." Zudem sei "das Arbeitsklima wunderbar": Seine fünf Kolleginnen seien sehr engagiert, die Eltern konstruktiv. "Das haben Sie längst nicht überall", betont der hochgewachsene Rektor.
Es gab auch weniger Erfreuliches: "Ich habe mehrere Schulreformen durchlaufen, die alle nur einen Grund hatten: Geld zu sparen", so Rathmann. Dass er in den Achtziger Jahren vier Klassen teilweise allein oder nur mit einem Kollegen unterrichten musste, habe ihn dagegen nicht gestört. "Das war zwar anstrengend, aber es hat viel Spaß gemacht." 28 Stunden pro Woche hat Rathmann früher gegeben. Seit er Schulleiter ist, sind es weniger. Als 1981 der Rektor-Posten frei wurde, zögerte er nicht lange. "Ich hab' mich gleich gemeldet, und dann ging es zack."
Vor seiner Pensionierung im nächsten Jahr wird Rathmann, der sich selbst als "Technik-Freak" bezeichnet, noch ein Projekt in die Tat umsetzen: die Einrichtung eines PC-Raums. "Als ich hier vor zehn Jahren die ersten Computer eingeführt habe, habe ich nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern im fachgerechten Umgang damit geschult", erinnert er sich. Mittlerweile hat jede Klasse acht bis zehn PCs zur Verfügung, und der Computer-Raum steht kurz vor der Fertigstellung.
In seiner Freizeit widmet sich der Vater von drei Söhnen eher selten dem PC. Zwar gestaltet Rathmann die Internet-Seite der Schule - aber mindestens ebenso gern liest er oder genießt ausgiebige Spaziergänge mit seiner Ehefrau. "Und wenn ich pensioniert bin, wollen wir mehr reisen." Zum ersten Mal außerhalb der Schulferien - "das wird eine ganz neue Erfahrung".
erschienen am 2. Februar 2007
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