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Von Eveline Düstersiekr Bokholt-Hanredder. Nein, damit hatte Harry Hermsmeier nicht gerechnet. Kurz nachdem ihn die Nachricht der Nominierung zu einem der 1000 besten Postboten Deutschlands erreicht hatte, ist der 57-Jährige noch immer gerührt. "Das ist ein ganz besonderer Ausdruck der Wertschätzung", freute er sich im Tageblatt-Gespräch. Im gleichen Atemzug ist es ihm ein großes Bedürfnis, den Menschen zu danken, die dafür verantwortlich sind. Sie sind für ihn fast wie eine große Familie. Etwa 800Haushalte gehören zum Bezirk von Hermsmeier, dem Dorf Bokholt-Hanredder zwischen Elmshorn und Barmstedt. Dort fährt der Postbote jeden Tag seine 32 Kilometer lange Strecke. Bei jedem Wetter sorgt er dafür, dass die Post zum gewohnten Zeitpunkt in den Briefkästen ist. "Manchmal klappt das nicht so", ärgert sich der Perfektionist. Er arbeitet nach einem Zeitplan, der ins Wanken gerät, wenn viele Sendungen zu den Empfängern gebracht werden müssen. "Ich bin ständig in Zeitnot", beschreibt er den täglichen Dienstweg. Das hält ihn aber nicht davon ab, persönliche Worte mit seinen Kunden zu wechseln, meist auf Platt, der Muttersprache des bodenständigen Menschens. Die Einwohner des Dorfes schätzen ihren Postboten sehr. Sie haben mit überwältigender Geschlossenheit an der Wahl "Postbote des Jahres" teilgenommen und natürlich für ihren Harry gestimmt. Vor kurzem wurden die Ergebnisse gezählt "Eine sehr gute Quote", bescheinigte Postsprecher Martin Grundler dem Briefträger aus Bokholt-Hanredder. Die Beteiligung wurde prozentual an der Bevölkerungszahl gemessen. So war von der Post AG sichergestellt, dass die Zusteller in großen Orten nicht bevorzugt wurden. Mit den erreichten 23,4Prozent Rücklaufquote liege Hermsmeier sehr gut im Rennen, so Grundler. Zum Vergleich: Bei einer Befragung per Post oder Internet werden Rückläufe von fünf Prozent bereits als gut angesehen. Die vielen Stimmen hat Hermsmeier seiner persönlichen Art zu verdanken. "Er ist immer nett, hilfsbereit und freundlich", begründete Baumschuler Jan Lescow seine Stimmabgabe. "Ein ganz Netter, zuvorkommend und hilfsbereit", beschreibt Klaus Neumann seinen Postboten. Auch Sabine Wöbcke ist des Lobes für den "immer netten" Mann voll. Umsicht und Hilfsbereitschaft gehören zum Wesen von Hermsmeier. In seiner Freizeit ist er als Atemschutzwart bei der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Wohnort Kölln-Reisiek aktiv. Doch Hilfe leistete er auch schon oft während seiner 25-jährigen Tätigkeit als Zusteller. Ob ein Reifen gewechselt werden muss, jemand einen Arzt braucht oder einfach ein offenes Ohr zum Zuhören, Hermsmeier ist da. Er schätzt den Kontakt zu vielen unterschiedlichen Menschen sehr. "Das ist manchmal fast wie im Beichtstuhl", berichtete er von Gesprächen. Natürlich wissen seine Kunden, die häufig auch seine Freunde sind, dass Geheimnisse bei ihrem Postboten gut aufgehoben sind. Mit seinen beiden Kollegen fährt Hermsmeier am letzten Oktoberwochenende zur festlichen Preisverleihung nach Berlin.
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