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Hamburger Abendblatt / Pinneberg - am 4. Mai 2004

Flughafen-Planung: Die Dörfer fürchten Baustopp

Vorstoß: Neuauflage der Diskussion um den Airport in Kaltenkirchen sorgt im Norden des Kreises für Unmut und Besorgnis.

Von Nils Baumgarten

Kreis Pinneberg - Wahlkampfhit oder Schreckgespenst? Knapp ein Jahr vor der Landtagswahl sorgt Schleswig-Holsteins CDU für eine Neuauflage der Diskussion über einen Flughafen in Kaltenkirchen. Spitzenkandidat Peter Harry Carstensen kündigte an, im Falle der Regierungsübernahme den Bau eines internationalen Groß-Airports im Grenzgebiet der Kreise Pinneberg und Segeberg intensiv ins Visier zu nehmen. Bei Unternehmern erntet er für dieses verkehrspolitische Signal Beifall - in den Gemeinden rund um das potentielle Airportgelände dagegen blanke Empörung.

"Für uns ist das ein totes Projekt", sagt Lutzhorns Bürgermeister Werner Kock. "Ich weiß nicht, warum Herr Carstensen das jetzt wieder hervorholt. In Lutzhorn wird er so nicht eine Stimme erhalten." Auch Wolfgang Mohr (CDU), Bürgermeister in Bokholt-Hanredder, ist alles andere als glücklich über die Diskussion, die seine Parteifreunde in Kiel entfachen.

In den 70er-Jahren war Bokholt-Hanredder die Keimzelle der Protestbewegung gegen die Flughafen-Pläne gewesen. Hunderte von Klagen waren damals gegen das Planverfahren eingereicht worden. Doch das ist lange her. Die Angst vor Lärm, Planungsstopp oder Grundstücksenteignung ist verflogen. Seit Mitte der 80er Jahre liegen die Planungen für das "Luftkreuz des Nordens" auf Eis. Und dabei, so mahnt Mohr die Landes-CDU, solle es möglichst auch bleiben.

Das sehen Wirtschaftsfunktionäre anders. Hans Heinrich Driftmann, Präsident der schleswig-holsteinischen Unternehmensverbände, drängt die Politik zum Handeln. "Sonst müssen wir unsere Geschäftsreisen in Hannover, Berlin oder Malmö antreten", sagt der Chef der Elmshorner Köllnflockenwerke. Auch wenn in Hamburg die Kapazitäten für die nächsten 20 Jahre noch ausreichen, gelte es rechtzeitig Vorsorge zu treffen. "Wir können nicht erst in 15 Jahren mit der Planung anfangen", so Driftmann, der vor zehn Jahren schon einmal einem CDU-Schattenkabinett angehörte. "Im Moment sprechen viele Argumente für Kaltenkirchen. Aber wenn im Umkreis immer mehr gebaut wird, verschlechtern sich die Aussichten." Driftmann fordert deshalb, den in den 80er-Jahren aufgehobenen Baustopp wieder in Kraft zu setzen.

Genau deshalb fürchten viele im Nordosten des Kreises die neue politische Diskussion mehr als den Airport selbst. Schon einmal war dort jegliche Entwicklung für mehr als ein Jahrzehnt unterbunden worden. Wohnhäuser durften nicht gebaut, Schulen nicht erweitert, Straßen nicht saniert werden - all das im Vorgriff auf den Flughafen, der sich schließlich in Luft auflöste. "Wenn das Ding in ein paar Jahren fertig wäre, wüssten wir wenigstens, woran wir sind", meint Kock, "aber es darf nicht sein, dass wieder für 15 oder 20 Jahre alles blockiert wird. Ich glaube, die Politiker wissen gar nicht, welche Verunsicherung sie mit solchen Aussagen auslösen."

"Wir müssen vorbereitet sein für den Fall, dass Fuhlsbüttel nicht mehr ausreicht", sagt Carstensen. Der Norden brauche eine Anbindung an den "internationalen Luftverkehr" und einen "Frachtflughafen, der 24 Stunden in Betrieb sein kann".

Solche Erkenntnisse stoßen selbst bei der Hamburger Flughafen-GmbH auf Stirnrunzeln. Dort wurde erst in der vorigen Woche die Ausbau-Planung für Fuhlsbüttel präsentiert. S-Bahn-Anbindung, neue Terminals und Parkhäuser sind bis 2007 geplant, in diesem Jahr sollen erstmals mehr als zehn Millionen Passagiere in Hamburg starten und landen. "Wir investieren gerade rund 350 Millionen Euro in Fuhlsbüttel", sagt Flughafen-Sprecherin Stefanie Koall, "über Kaltenkirchen spricht bei uns zurzeit absolut niemand."

erschienen am 4. Mai 2004 im Hamburger Abendblatt - Pinneberg

 

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