
Vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren kamen die Betriebsausflügler und Landpartien mit Bussen und Sonderzügen aus Hamburg und Umgebung. Am Bahnhof Voßloch wurden sie mit Blasmusik abgeholt und durch den nahen Rantzauer Forst direkt in den Saal der Gaststätte geführt. Zu Pfingsten verköstigte der "Grüne Wald" seine in Scharen ankommenden Gäste mit "Pfingstochse am Spieß". 1957 sollen 28 Ochsen verzehrt worden sein.
Doch die Ära des Fremdenverkehrs fand im März 1971 ein jähes Ende: der Gasthof fiel einem Feuer zum Opfer und wurde nicht wieder aufgebaut. Dies bedeutete zugleich auch für die dörflichen Feste und Aktivitäten einen herben Verlust.
Diesen Schicksalsschlag hätte man in den vier Ortsteilen Bokholt, Hanredder, Offenau und Voßloch vielleicht noch verkraftet, doch der Bau der Autobahn A 23 versetzte der Gemeinde einen weiteren Nackenschlag. Wie ein breiter Strom zerschneidet die 1981 fertig gestellte Bundesautobahn den Ort in zwei Teile. Da kann auch die Autobahnbrücke wenig helfen: Voßloch, Bokholt und Hanredder orientieren sich stärker nach Barmstedt - die Offenauer erledigen ihre Einkäufe im nahen Elmshorn. Als wahrer Glücksfall für die Gemeinde erwies sich der Bau des Gemeindezentrums im Ortsteil Bokholt im Jahr 1982. Das Gebäude wird nicht nur für den täglichen Schul- und Vereinsbetrieb genutzt, sondern es dient auch dörflichen Festen und Veranstaltungen. Seither muss nicht mehr in andere Ortschaften ausgewichen werden, wie dies seit dem Brand des "Grünen Waldes" oft nötig war. Das Gemeindezentrum wurde zum Bindeglied und zum neuen Mittelpunkt der Dorfgemeinschaft. Vor allem die Vereine haben das neue Zentrum sofort in Beschlag genommen. Der Voßlocher Sportverein mit seinen 650 Mitgliedern hat sich über die Gemeindegrenzen hinaus einen Namen gemacht. Das Kursangebot an Trendsportarten, wie Skaten, Aerobic und die Gesundheitsgymnastik ziehen Kinder und Erwachsene der umliegenden Gemeinden nach Bokholt-Hanredder.
Zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr und der Grundschule bildet der Verein die große Klammer, die die einzelnen Ortsteile und Neu- wie Altbürger zusammenhält.
Und Bokholt-Hanredder wächst beständig. Junge Familien ziehen zu, angelockt durch die schöne Landschaft und die guten Verkehrsanbindungen nach Hamburg. So wird der Ort auch zum Schlafdorf und zur Pendlergemeinde. Doch im Mai bleiben alle in Bokholt-Hanredder, wenn es heißt "weur Pingst'n doch erst bloß, denn goht wi los!"
MARTIN STERR
